Ernst Ulrich von Weizsächer in Rottweil

Ortsverein Rottweil empfängt Ernst Ulrich von Weizsäcker

Ernst Ulrich v. Weizsäcker in RW

Wieviel Erdbälle braucht die Menschheit?
Ein erfrischender Abend mit Professor Dr. Ernst Ulrich v. Weizsäcker, Ergun Can und der Moderatorin Frau Dr. Maria Hackl im Festsaal des alten Gymnasiums war es, zu dem der SPD- Ortsvereinsvorsitzende Arved Sassnick eingeladen hatte. Das Thema schien eigentlich sperrig: „Reindustrialisierung – mit der Umwelt statt gegen sie“. Doch mit einem dicken Lob für Rottweil wurde die Stoßrichtung von Weizsäckers Referat klarer: Er wies auf auf den Titel „freie Energiestadt Rottweil“ hin , ein Titel, an dem der frühere Stadtwerke- Direktor Siegfried Rettich in den Jahren 1984 und 1985 maßgeblichen Anteil gehabt hatte. „Deutschland wird in Fachkreisen als China Europas bezeichnet“, so der Chemie – und Physikprofessor aus Emmendingen. Deutschland also ein Aufsteigerstaat, der jedoch Industriealisierung mit Umweltverträglichkeit zu verbinden wisse. Nicht Merkel, sondern vor ihr Ex- Kanzler Schröder mit SPD- Mitarbeitern wie Hermann Scheer und er selbst hätten hier einen erheblichen Beitrag geleistet. Die Balance zwischen Wirtschaft und Staat, die Parteien wie die FDP außer Acht ließen, sei unabdingbar, um den Industriestandort Deutschland zu sichern und zu verhindern, dass dieses Land deindustrialisiert werde. V. Weizsäcker führte hier als warnendes Beispiel England an mit seiner Abwendung von der Industrie hin zu Banken und Börsen. Dann die provozierende Frage:„Wie viele Erdbälle brauchen wir, wenn wir allen Menschen den Lebensstandard der USA verschaffen wollten, ohne die Produktions- und Wirtschaftsmethoden zu verändern?“ fragte der Professor aus Emmendingen in die Runde. Seine Antwort: 5 Erdbälle wären nötig, weil die Menschheit heute an Verschwendung gewöhnt sei. Wolle man die Ungleichheit beseitigen, aber eine Gleichheit im Elend vermeiden, gäbe es nur einen Weg: Man müsse die Ressourcenproduktivität steigern, also Schluss machen mit der Gewöhnung an Verschwendung. Am Beispiel der Energie und ihrer Kosten konnte Ergun Can, der sich in die Diskussion einschaltete, mit dem Hinweis auf Pedilecs, Wärmerückgewinnungsanlagen, und Hybridantriebe, sein Fachwissen als Ingenieur einbringen. In einer Diskussionszwischenrunde erfuhren die zahlreichen Zuhörer vom Bundestagskandidaten Ergun Can dessen Ansichten zu Mindestlohn, sozialem Wohnungsbau, den Berufsschulen, bevor die Diskussion wieder in das Kernthema der Ressourcenschonung und Umweltverträglichkeit einmündete. Hier zeigte v. Weizsäcker, dass er von der Stromgewinnung über Stromleitung durch Hochspannungs- Gleichstromübertragung (HGÜ) bis zum Problem der Energiespeicherung, von Windkraftanlagen, Pumpspeicherwerken, Brennstoffzellen, Power- to- gaz- systemen und Flüssigkeitsmetallspeichern sattelfest Wissen aus dem Ärmel schütteln konnte. Die Technikgläubigkeit der Menschheit, die z. Teil heute noch glaube, alles Machbare sei auch zu verwirklichen, erteilte v. Weizsäcker mit dem Hinweis auf die Atomenergie eine klare Absage.
Die Zuhörer dankten mit langem Applaus für den gelungenen Abend.

SPD-Gemeinderatsfraktion

Die SPD-FFR-FRaktion trifft sich am Montag, den17.02.2020 um 18 Uhr im kleinen Besprechungszimmer des Neuen Rathauses.

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SPD Fraktion zur Kiga-Gebührenfreiheit

In all unseren Haushaltsreden und in sämtlichen Stellungnahmen zu Kindergartengebührenerhöhungen hat die SPD-Fraktion stets ihr Bedauern ausgedrückt, dass im Gegensatz zu den Schulen – und auch Universitäten- Kindergärten nicht gebührenfrei sind. Unsere Fraktion hat dies bedauert auch in der Zeit, in der die SPD in Baden-Württemberg in der Regierung war und kein solcher Versuch, wie er jetzt unternommen wird, sichtbar geworden war. Gebührenfreiheit der Kindergärten wäre ein weiterer Schritt auf dem Weg zu mehr sozialer Gerechtigkeit. Sie würde jenen Kindergartenjahren, die von allen Seiten als wichtige Vorstufe im Übergang zur Grundschulzeit angesehen werden, auch den entsprechenden Status verleihen, was z.B. im Hinblick auf Unterschiede im Sprachvermögen von Kindern mit Migrationshintergrund von Bedeutung wäre. Natürlich muss Taktung – gleich vollständige Gebührenfreiheit oder in Schritten -  und Finanzierung einer solchen Maßnahme erörtert werden, aber Rheinland-Pfalz zeigt, dass eine landesfinanzierte Gebührenfreiheit möglich ist. Der Einwand, hiervon profitierten dann auch die Reichen, die solche Gebühren gut schultern könnten, ist so alt wie schlecht: Zum einen wäre eine einkommensabhängige Gebührenfreiheit mit enormem Verwaltungsaufwand verbunden, zum anderen ist ein vergleichbarer Einwand schon in den 50er Jahren bei der Abschaffung des Schulgelds erhoben worden, das dann bei uns deswegen entfiel, weil jahrelang die damalige DDR ständig spöttisch auf die klassenunterschiedszementierenden Gebühren für die weiterführenden Schulen in der Bundesrepublik hinweisen konnte. Ebenso hat die Einführung der Lehrmittelfreiheit an unseren Schulen nicht selten das gleiche Argument getroffen und es wurde eine einkommensabhängige Differenzierung vorgeschlagen. Klügere Köpfe in Schulleitung, Stadtverwaltung und kommunalpolitischen Gremien haben dann zu Recht auf die diskriminierende Wirkung solcher Differenzierung hingewiesen. Auch die Abschaffung der Studiengebühren an Baden-Württembergischen Universitäten vor ca. 5 Jahren liefert ein weiteres Argument für die Beseitigung der Kindergartengebühren: Es ist ungerecht, Gebührenfreiheit im oberen Teil des Bildungssystems für eine privilegierte Gruppe der Bevölkerung herzustellen, aber im unteren Teil des Bildungssystems – und dazu gehört der Kindergarten mittlerweile -  der für alle da ist, die Hand aufzuhalten. Alsdann  wird der Gebührenfreiheit, die in unseren Augen ein stückweit mehr soziale Gerechtigkeit schaffen könnte, mit dem Argument begegnet, sie sei nicht finanzierbar. Rheinland-Pfalz beweist das Gegenteil. Also in Kürze: Landesfinanzierte Gebührenfreiheit unserer Kindergärten ist richtig, wichtig, finanzierbar und seit Jahren auf der Agenda der SPD-Gemeinderatsfraktion.